DER WELTGEIST

1. Ein Weltbild in sieben Ebenen und
2. Analysen zu einem Wandel in der Wirtschaftspolitik
 

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1. HJ
Thema
2. HJ
Thema
Jan.
Das Kapitalistische Manifest als Kunstwerk
Jul.
Anwendung vs Kritik gesellschaftlicher Spielregeln
Feb.
Durch fehlgeleitete Sexualität motivierter Missbrauch
Aug.
Zur Frauenfrage ein Zitat von Hedwig Bohm (1876)
Mrz.
Missbrauch politischer Symbole in der Werbung
Sep.
Standford-Prison-Experiment und Hartz IV
Apr.
Die Moral des Kleinbürgers als Herrschaftsinstrument
Okt.
Ein Plagiat: Der Versuch, Sloterdijk zu plagiieren
Mai
Damen und Herren: Der Esel nennt sich selbst zuerst
Nov.
Über Fun Officers und Happiness Engineers
Jun.
Der weiße Mann als Ursache des Bösen
Dez.
Entstehung von Kapital und Spekulationsblasen
2018
(5) Der Weltgeist im Wandel   (4) Dualismen   (3) Gut und Böse   (2) Es ward Licht   (1) Tweetsammlung
2017
(12) Konsumfest   (11) Populismus   (10) Zielkonflikte   (9) Klimawandel   (8) Umverteilung durch Rente   (7) Lebenserwartung   (6) Vermögenskrise   (5) Kapitalismus = kosmisches Prinzip   (4) Gesellschaftliche Verwerfungen   (3) Exportüberschuss   (2) Spektrallinien   (1) Nichts und Licht
2016
(12) Gute Führung schafft sich ab   (11) Rache der Ausgegrenzten   (10) Sexismus   (9) Umzug Lenins   (8) Arbeit als Strafe   (7) Vernunftwissenschaftler   (6) 100.000 Sozialarbeiter   (5) Wohnungsnot   (4) Demokratieindex für Kredite   (3) Verschiedenes   (2) Enteignung   (1) Realität und Vorstellung
2015
(12) Ausgrenzung   (11) Inflation durch Löhne   (10) Es wächst nichts mehr   (9) Modell zum Weltbild   (8) TTIP für Bildung   (7) Gott und das Böse   (6) Ursprung der Vernunft   (5) Licht und Götter   (4) Licht und Binärsystem   (3) Ursprung des Meinens   (2) Sittenwidrigkeiten   (1) Unchristlich vs ungläubig
2013
(12) Das Universum   (11) Der Messias   (10) Fundstücke   (9) Ewiger Frieden   (8) Pyramid of Shit   (7) Nutzlosigkeit   (6) Ausbeutung von Männern   (5) Perspektivlosigkeit der Jugend   (4) Wissenschaften   (3) Kindsmörderin   (2) Arbeit/Verträge/PPP/Verzicht/Soldaten   (1) Gewohnheit
2012
(12) Unternehmenskrisen   (11) Weniger arbeiten   (10) Grundeinkommen   (9) Revolution   (8) Political Correctness   (7) Bundesschatzbriefe   (6) Betongold   (5) Hartz IV und Existenzminimum   (4) Kapitaldeckung   (3) Investitionen in Bildung   (2) Exzellenzförderung   (1) Schutz des Eigentums
2011
(12) Abfolge der Generationen   (11) Schuldenbremse   (10) Sammlung diverser Zitate   (9) Arthur Schopenhauer   (8) Gesellschaftlicher Zusammenhalt   (7) Finanzkrise   (6) Gleichberechtigung   (5) Energiewende   (4) Arbeitskräftemangel   (3) Bildungsinvestitionen   (2) Elite   (1) (Personal)führung
2010
(12) Personalauswahl   (11) spätrömische Dekadenz   (10) Nachhaltigkeit   (9) Gleichgewicht der Gier   (8) Arbeits- und Immobilienmarkt   (7) abnehmendes Wachstum - steigende Zinsen

Gedanken zum Dezember 2014

Entstehung von überflüssigem Kapital und Spekulationsblasen

Entstehung von Spekulationsblasen

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Gedanken zum November 2014

Über Fun Officers und Happiness Engineers

Mir ist eine nach meinem Dafürhalten herausragende Analyse aufgefallen. Ich möchte daher einige Stellen aus dem Artikel an dieser Stelle zitieren. Er heißt 'Der Terror der guten Laune', stammt von David Hugendick und wurde in der ZEIT-Ausgabe 47/2014 gedruckt.

"Im .. Berliner Linser-Verlag erschien im Jahr 1919 ein Buch mit dem Namen Weltmännische Lebensklugheit. Im Zuchtmeisterton erteilt der Autor darin Ratschläge an Kaufmänner, Beamte und anderer Karrierewillige, und sie betreffen ... die Umgangsformen im Arbeitsalltag, in dem es eine 'Mode des nichtsbedeutenden Geschwätzes' gibt, das man dringend erlernen solle. Heute hieße das Small Talk."

"Man trifft [heute] auf keinen Pessimismus mehr, sondern findet sich inmitten von Horden freundlich zugeneigter Motivationstrainer, die uns mit zukunftsbegeisterten Imperativen das Innenleben neu möblieren möchten. ... Glücks- und Selfmanagement-Ratgeber haben .. ein epidemisches Ausmaß erreicht. ... Man sieht die Lebenslaufburschen von morgen in ein großartige Zukunft hineinjubeln, als wäre eine da."

"Karriere für alle, das klingt .. eher wie eine Drohung. ... In einer Gesellschaft, die allmählich begreift, dass es Verlierer geben muss, wirkt die Aussicht auf die Demokratisierung des Erfolgs wie eine alberne Utopie. ... Wenn der Angestellte ..., 'das Produkt aller Degradierungen' ist, dann ist der besinnungslos agile Selbstunternehmer .. die angemessene Reaktion. Er begreift die äußeren Umstände nicht mehr als Zumutung, sondern wandelt sie in Enthusiasmus um: in Flexibilität, Eigenverantwortung und Dauerverfügbarkeit. ... Das sind nicht nur die Warmbadeworte ... es sind auch die Decknarrative einer Arbeitsgesellschaft, die immer weniger Sicherheit anbietet und die Unsicherheit als Fortschritt feiert."

"Sie haben die Wahl! Alles keine Frage des Könnens mehr, sondern des Wollens. Kein Zwang mehr, alles ist freiwillig. Nichts ist unlösbar, nichts unmöglich. Gäbe es einen Kammerton, er klänge wie ein Ja."

"Heute scheint dem Gehorsam zur Heiterkeit kein Befehl mehr vorauszugehen. Sie gehört zur Psychopathologie der modernen Unternehmenskultur, in der Aufträge 'sehr gerne' erledigt werden ... . Die Führungskraft, inzwischen 'Entscheider' genannt, soll sowohl Souverän als auch Animateur sein, der seine Angestellten mit 'spannenden Herausforderungen' versorgt."

"... Der nicht affektgedämpfte, extrovertierte Kollege [gilt] als 'Schaumschläger' und 'Niete in Nadelstreifen'. Der Einzelgänger ist unsozial, weil er sich nicht an After-Work-Treffen beteiligt ... . Wo einst das Ich war, soll jetzt das Wir werden. ... Der stille Sonderling wird durch den hyperaktiven, dauerkommunikativen 'Querdenker' ersetzt, dessen Nonkonformismus sich in den Grenzen bewegen darf, welche das Unternehmen setzt. Sollte es zu bunt werden, äußert man .. keinen Unmut, sondern 'konstruktives Feedback' ... - ganz im Geiste stalinistischer Selbstkritik ... ."

"Totalitarismus der guten Laune: Die Sachautorität des Einzelnen hat sich der Gruppe zu unterwerfen. Darin folgen die Managementratgeber kurioserweise der Auffassung ... : Der Schwarm hat immer recht und ist als egalitäres Gebilde bereits moralisch veredelt."

"Auf den Homepages ... sogenannter Talentmanagementagenturen blickt man .. in das gusseiserne Lächeln [von Leuten], die sich freuen, in 'interdisziplinären Projekten' arbeiten zu dürfen und .. 'ins kalte Wasser' geschubst zu werden. ... Die Arbeit [ist] .. zum Konsumgut geworden .., das täglich ein 'bereicherndes Erlebnis' sein muss." (Ende der Zitate)

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Gedanken zum Oktober 2014

Ein Plagiat: Der Versuch, Sloterdijk zu plagiieren

Anbei ein erster und laienhafter Versuch, ein Experiment durch fast beliebiges Aneinanderreihen im Sinne des Zufallsprinzips ein Plagiat zu erstellen. Dazu wurden jeweils alle zehn Seiten bis Seite 230 ein Satz von dem Werk von Peter Sloterdijk: Du mußt dein Leben ändern, Frankfurt am Main 2012, 1. Auflage entnommen und aneinander gereiht. Es wäre ein Versuch wert, Studenten die Aufgabe zu geben, diesen Text zu interpretieren. Ich wäre gespannt auf das Ergebnis, vor allem aber, ob überhaupt erkannt wird, dass der auf diese Weise entstandene Text sinnlos ist - oder kann sich gar ein neuer Sinn erschließen? Wäre die Entstehung von neuem Sinn, von neuer Bedeutung möglich, wenn Computer aus Literatur und/oder Wissenschaft nach vorher festgelegten Algorythmen beliebige Textbausteine zusammenwürfeln und mit einigen Füllwörtern verbinden würden?

Beginn des Plagiats: "(10) Man mußte von 'Gott' große Quanten an Energie abziehen, um endlich für die Menschenwelt in Form zu kommen. (20) Unter diesem Licht gesehen, erscheint das Leben selbst als ein mit autotherapeutischen oder 'endoklinischen' Kompetenzen ausgestattete Integrationsdynamik, die sich auf einen artspezifischen Überraschungsraum bezieht. (30) Es wäre dem Thema nicht gemäß, wollte sich der Autor ganz hinter dem Zaun der Absichtslosigkeit verbergen. (40) Hier wird von einer Vollkommenheit gehandelt - einer Vollkommenheit, die um so verbindlicher und mysteriöser zu sein scheint, als es bei ihr um die Perfektion eines Bruchstücks geht. (50) In Gesellschaft können solche Reden nicht geduldet werden, für Mannschaften sind sie konstitutiv. (60) Hier sind vor allem die Abschnitte aus dem moralkritischen Hauptwerk Zur Genealogie der Moral zu zitieren, die Ihrem Gegenstand in einer Diktion von olympischer Deutlichkeit zu Leibe rücken. (70) Sein Repertoire erweiterte sich und schloß bald auch artistische Höchstgeschwindigkeiten ein. (80) Wir sind mit dem Gesagten auf eine neue Wendung des Übungsphänomens gestoßen. (90) Kehrt man die Perspektive um, ergibt sich ein komplexeres Bild. (100) Mit der Blickwende zum Akrobaten kommt ein weiterer Aspekt der epochalen Kehre zum Vorschein, die ich als Trend zur Entspiritualisierung der Askesen beschreibe. (110) In dieser Erzählung werden auf engstem Raum Grundaussagen des Variete-Existentialismus zusammengedrängt. (120) Wer redet von der ewigen Wiederkehr des Gleichen, wenn einmal existieren schon ein Mal zuviel ist. (130) Nur die Formulierung des Gedankens an den Selbstmord verbleibt in der Kompetenz der Chefredaktion. (140) Was ist überhaupt Religion, wenn Leute von nebenan eine solche stiften könnten? 150) Als 'heidnische' Form einer Angebotsreligion von oben hatte die olympische Idee nie eine Chance. (160) Es ist die Bewegung, mit der die dianetische Psychology-Fiction zur scientologischen Religion-Fiction aufgestockt wird. (170) Er habe sich nie mehr in der Öffentlichkeit gezeigt, um seinen Anhängern nicht vor Augen zu führen, bis wohin man es mit seinen Methoden bringen kann. (180) Fast könnte man sagen, die Welt der frühen Psyche sei monarchisch. (190) Weil die Reproduktion ihrer rituellen und kognitiven Inhalte ihre erste und einzige Sorge bildet, ist ihr Weg durch die Zeit massiv neoklastisch. (200) Was die Engel hier tun, ist Akrobatensache von Anfang an. (210) Unter dieser doppelten Anregung klärt sich zugleich die Richtung, in welche die nächsten Schritte zu tun sind. (220) Die gute Form zu finden ist eine Design-Aufgabe, zu der ein moralisch- logisches Exerzitium gehört. (230) 'Sprachspiel' ist alles, der lebende Kristall und die Schweinereien, es kommt auf die Nuance an. (???) Der Mensch, der sich als Übender immer wieder selbst erzeugt, wird zum über sich hinausgehenden Wesen." Ende des Plagiats.

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Gedanken zum September 2014

Was hat das Standford-Prison-Experiment mit Hartz IV zu tun?

Das Stanford-Prison-Experiment war ein psychologisches Experiment unter den Bedingungen der Gefangenschaft, speziell unter den Feldbedingungen des echten Gefängnislebens. Das Experiment geriet sehr schnell außer Kontrolle. Nach drei Tagen zeigte ein Gefangener extreme Stressreaktionen und musste entlassen werden. Einige der Wärter zeigten sadistische Verhaltensweisen, speziell bei Nacht, wenn sie vermuteten, dass die angebrachten Kameras nicht in Betrieb waren. Teilweise mussten die Experimentatoren einschreiten, um Misshandlungen zu verhindern. Nach nur sechs Tagen musste das Experiment abgebrochen werden. Bei Beendigung des Experiments hatten vier Gefangene emotionale Zusammenbrüche erlitten und mussten infolgedessen vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen werden. Ein anderer Gefangener bekam einen psychisch bedingten Hautausschlag, als er erfuhr, dass sein "Bewährungsgesuch" abgelehnt worden war. Der Rest der Gefangenen versuchte, die Situation durch Unterwürfigkeit zu meistern und den Befehlen der Wärter so korrekt wie möglich Folge zu leisten. Soweit die Skizzierung des Experiments in Anlehnung an Wikipedia.

In Arbeitsagenturen, Jobcentern und Sozialämtern herrschen zwar keine Abhängigkeitsverhältnisse wie zwischen Wärtern und Gefangenen in Gefängnissen, aber es herrschen Abhängigkeitsverhältnisse zwischen sogenannten Kunden bzw. Bittstellern und den Sachbearbeitern. Die Sachbearbeiter haben sich zwar an die Verordnungen und Gesetze zu halten und Entscheidungen unterliegen nach meinen Kenntnissen dem Vier-Augen-Prinzip, dennoch gibt es erhebliche Ermessensspielräume und damit Willkür bei der Prüfung von Anträgen, der Verhängung von Sanktionen und Strafen sowie dem Verhalten gegenüber den Antragsstellern.

Es stellt sich mir aber trotz allem die Frage, ob nicht doch ähnliche Verhaltensmuster in unseren Amtsstuben auftreten - sicherlich nicht in der beschriebenen Ausprägung. Ich behaupte, dass dies so ist und dass dies politisch gewollt ist, schließlich werden Langzeitarbeitslose in den Medien häufig genug in die Nähe von Sozialschmarotzern gestellt, die man erst einmal wieder an ein regeltes Leben gewöhnen müsse; schließlich liegt der Idee von Sanktionen genau dieses Menschenbild zugrunde. Dass "Eingliederungsvereinbarungen" Vereinbarungen zwischen gleichen Partnern sind, scheint doch eher ein Witz zu sein.

Es wäre daher die zwingende Aufgabe der Führung dieser Behörden, die Sachbearbeiter in Gesprächsführung und Verhalten regelmäßig zu schulen und zu sensibilisieren. Es wäre darüber hinaus erforderlich, ähnliche Studien im Verwaltungsbereich zu erstellen. Es wäre weiter nötig, vorurteilsfrei die wirklichen Ursachen herauszufinden, wenn einige "Kunden" agressiv werden.

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Gedanken zum August 2014

Zur Frauenfrage ein Zitat von Hedwig Bohm aus dem Jahr 1876

Ich möchte nun eine Schrift aus dem Jahr 1876 zur Frauenfrage aus einem Buch, dessen Titel mir entfallen ist, zitieren. Das Buch, aus dem ich zitiere, nennt seinerseits folgende Quelle: Hedwig Dohm, Der Frauen Natur und Recht. Zur Frauenfrage zwei Abhandlungen über Eigenschaften und Stimmrecht der Frauen, Berlin 1876:

"In seiner 'Naturgeschichte der Frauen' bekennt Bogumil Goltz ganz naiv: 'Die Schriftstellerinnen sind schon um deswillen unerträglich, weil sie zu viel Selbstgefühl haben, weil sie die Schwächen des Mannes durchblicken.' Heine läßt einmal einen Nützlichkeitsapostel den teifsinnigen Ausspruch thun, die Bäume seinen grün, weil grün gut für die Augen sei. So scheint es, denken die Männer im Allgemeinen, die Frauen seien expreß von der Vorsehung zum Kochen bestimmt, damit sie, die Herren der Schöpfung gut zu essen bekommen. Des deutschen Mannes ganze Frauenkenntniß beschränkt sich im allgemeinen darauf, anzunehmen, daß Schönheit, Jugend, Anmuth, Munterkeit und pikantes Geplauder hinreichend Gewähr sind für den Besitz aller weiblichen Vorzüge. Ein rosa Hut über einem blonden Lockenköpfchen ist ihm stets eine Aureole der Tugend, und eine graziöse Gestalt der Aufenthalt einer edlen Seele. Dagegen ist er sehr geneigt, vermagerten alten Jungfrauen oder corpulenten älteren Frauen den Besitz eines bissigen Charakters und eine gemeine Denkungsart zuzutrauen. Von würdigen, gescheuten Männern habe ich oft genug hübsche, junge Damen als Muster von Unschuld und Herzensgüte preisen hören, die ich als vollkommen corrumpirte Individuen kannte, und die sich nicht einmal besondere Mühe gaben, ihre eigentliche Natur zu maskieren. Richtig ist nur, daß, so lange eine Frau hübsch ist, kein Mann im Stande ist, sie zu beurtheilen; hat sie aber aufgehört, es zu sein, so urtheilen die Männer überhaupt gar nicht mehr über sie, weil es ihnen ungeheuer egal ist, was für Talente oder was für einen Charakter, oder ob sie überhaupt einen Charakter hat, sie müßten denn als Schwiegersöhne oder Gatten persönliche Conflicte mit diesem Charakter auszustehen haben."

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Gedanken zum Juli 2014

Anwendung vs Kritik gesellschaftlicher Spielregeln

Es ist Zweierlei: Die Anwendung gesellschaftlicher Spielregeln beispielsweise in der Führung von Unternehmen und die Kritik der gesellschaftlichen Spielregeln als politisch interessierter Mensch. Wahre, aufrechte Persönlichkeiten in Unternehmen sind in der Lage, dies in einer Person zu vereinbaren. In der schnöden und banalen Praxis würde man darin aber eher einen Widerspruch oder gar Verrat vermuten.

Wenn Unternehmen mit dem erhobenen Zeigefinger moralisch kritisiert werden, trotz positiver Ertragslage Arbeitsplätze abzubauen, so wird unterschlagen, dass dies in der Regel unter Anwendung und Beachtung der wirtschaftspolitischen Spielregeln erfolgt. Jeder verantwortliche Mitarbeiter eines Unternehmens unterliegt der Logik dieser Regeln und ist deshalb gut beraten, diesen auch Folge zu leisten. Wichtig ist es, die Zielkonflikte aufzuzeigen.

Wenn aber die Anwendung der Regeln unerwünschte Konsequenzen nach sich zieht, müssen die Regeln an sich in Frage gestellt werden. Jemand der die Regeln als Mitarbeiter eines Unternehmens anwendet, sollte sich gleichzeitig berufen fühlen, diese Regeln als Staatsbürger kritisch im Hinblick auf die Erreichung des Gemeinwohl zu reflektieren. Eine Korrektur etwaiger Nebenwirkungen muss über den Gesetzgeber erfolgen - nicht durch Moral. Gesetz und Moral müssen nicht übereinstimmen.

Die Gier der Banker mag zwar unmoralisch sein. Wenn die Gier durch Übertretung von Gesetzen und Spielregeln befriedigt wird, ist das ein Fall für die Exekutive. Wenn die Gier unter Einhaltung der Gesetze zu ungeahnten privaten Einkommen und ungeahnten gesellschaftlichen Risiken führt, ist das ein Fall für die Legislative. Die Legislative hat dann die Aufgabe, das Gleichgewicht der Gier zu schaffen - das Gleichgewicht der Gier in dem Sinne, dass auch einfache Arbeiter und Angestellte sowie kleine Gewerbebetriebe ihre Bedürfnisse befriedigen können. Arbeits- und Kapitaleinkommen sowie Vorstandsgehälter und Arbeitnehmereinkommen müssen in einem angemessenen Verhältnis zueinander stehen. Kein Mensch kann glaubhaft vermitteln, dass das Zwanzigfache eines Durchschnittseinkommens auch nur ansatzweise irgendetwas mit Leistung und Bildung zu tun hat.

Das, was für ein Unternehmen gut ist, muss nicht automatisch für die Gesellschaft gut sein - und umgekehrt.

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Gedanken zum Juni 2014

Der weiße Mann als Ursache des Bösen

Die westliche Welt hat viel Unheil über die Welt gebracht. Zu nennen sind der Kolonialismus, die Versklavung der Schwarzen, die Vernichtung der Indianer, die Ausbeutung der Dritten Welt, die Unterstützung von Militärdiktaruen, zahlreiche Kriege usw. usf. Die westliche Welt besteht vorwiegend aus Weißen; die Herrschenden waren zumeist Männer; folglich sind weiße Männer für das Böse der Welt verantwortlich - so kann man argumentieren.

Zum Problem wird das allerdings, wenn dies so ungefiltert in den allgemeinen Sprachgebrauch übergeht. Denn die wenigsten Männer gehören zu den Herrschenden; die meisten gehören in die Kategorie "Der kleine Mann". Durch den abwertenden Sprachgebrauch in dem Sinne, dass der "weiße Mann" die Verantwortung für viele negative Entwicklungen trage, werden alle Männer in einen Topf geworfen. Ebenso impliziert die Lobhudelei "junger Frauen" die Entgegensetzung "alter Männer" als Problemfälle. Damit wird eine Gruppe gegen die andere ausgespielt. Jedenfalls wäre es keine gute Idee, die Benachteiligung einer Gruppe durch die einer anderen zu ersetzen.

Die gesellschaftliche Vernachlässigung von mittelalterlichen Männern findet seinen Ausdruck darin, dass sie als einzige Gruppe nicht im Namen des "Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend" vorkommen. Dabei ist diese Gruppe längst selbst eine Minderheit und möglicherweise letztlich doch schutzbedürftig. Eine vorurteilsfreie Diskussion wird allerdings durch eine Tabuisierung erfolgreich verhindert - durch Sprüche wie: "Das sind alles Männer, die mit der modernen Entwicklung nicht klarkommen."

Das berechtigte und sinnvolle Ziel, Gleichberechtigung der Geschlechter nicht nur theoretisch sondern auch praktisch zu erzielen, sollte nicht dazu führen, dass die Tyrannei von Männern durch die Tyrannei von Frauen ersetzt wird. Vielmehr sollten generell die Verhältnisse von Herrschenden und Beherrschten, von Oben und Unten, von Führenden und Geführten, von Elite und Fußvolk, von Arm und Reich, von Kapital und Arbeit thematisiert werden. Hier finden sich die zentralen Ungerechtigkeiten. Sind diese Probleme beseitigt, erledigt sich das Thema der Gleichberechtigung der Geschlechter von selbst.

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Gedanken zum Mai 2014

"Sehr geehrte Damen und Herren" oder: "Der Esel nennt sich selbst zuerst"

Dass die Damen in der Anrede "Sehr geehrte Damen und Herren" zuerst genannt werden, mag daran liegen, dass die Herren zur Anerkennung und Hochachtung des anderen Geschlechts eben die Damen zuerst ansprechen. Dass sich dies als gesellschaftliche Norm durchgesetzt hat, kann als ein Zeichen für die männliche Dominanz des Sprachgebrauchs angesehen werden. Es ist richtig, und gut dass der allgemeine Sprachgebrauch im Hinblick auf bewusste und unbewusste Diskriminierung permanent analysisert und ggf. korrigiert wird. Einiges konnte bereits auf den Weg gebracht werden.

Komisch ist nur, dass selbst diejenigen, die besonders eifrig überall Benachteiligungen von Frauen entdecken, sich nicht daran stören, gerade bei der Anrede unreflektiert männlich dominierten und geprägten Sprachgebrauch zu kopieren, wo doch die Anrede durch Frauen wie bspw. "Sehr geehrte Herren, sehr geehrte Damen" keinerlei soziale Ausgrenzung nach sich ziehen würde. Es mag hier und da nach wie vor Ungerechtigkeiten zwischen Männern und Frauen geben, ob aber wirklich für alles der sogenannte weiße Mann verantwortlich ist, scheint dem Verfasser in dieser schwarz-weiß-Sicht fraglich zu sein.

Wie kommt es aber, dass sich Frauen, die sich bei der Begrüßung einer Gruppe im Rahmen eines Vortrags oder beim Verfassen von Briefen selbst zuerst ansprechen? Wäre es nicht verkehrt, wenn Frauen ihren Respekt gegenüber Männern auch einmal sprachlich bekunden würden? Selbstverständlich ist diese Norm keine wirkliche Ungerechtigkeit gegenüber Männern, aber für manch einen Mann dennoch vielleicht ein "Nice-to-Have".

Der Verfasser ist jedoch mit dem Spruch: "Der Esel nennt sich selbst zuerst" aufgewachsen und sozialisiert worden.

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Gedanken zum April 2014

Die Moral des Kleinbürgers als Herrschaftsinstrument

Die Moral des Kleinbürgers dient dem Bürgertum als Instrument zur Sicherung der Herrschaft durch Unterwerfung der einfachen Leute. Der Trick dabei ist, dass die Unterwerfung nicht nur nicht bemerkt wird, sondern auch noch freiwillig geschieht und als besondere Tugend angesehen wird.

Beispiele für die scheinbar freiwillige Unterwerfung von Menschen unter sogenannte Autoritäten sind folgende Aspekte:

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Gedanken zum März 2014

Missbrauch politischer Symbole in der Werbung

Es ist wahrlich beschämend, dass politische Symbole der Friedensbewegung durch die Werbung, die einzig und allein auf das Gewinnstreben und die Erhöhung von Marktanteilen abzielt, auf eine solche Art und Weise banalisiert werden. Für sozial engagierte und am Gemeinwohl orientierte Bürger muss diese Art der Folklore schwer erträglich sein, zumal die Verniedlichung des Politischen und Gesellschaftlichen zur Entpolitisierung und im Grenzfall zur Marginalisierung demokratischer Willensbildungsprozesse jenseits der etablierten Parteien führt. Mögen die Mitarbeiter solcher Unternehmen ebenso revolutionär sein, wie die Zielgruppe der Werbung; möge eine Revolution solche Unternehmen als erstes vom Markt fegen. Werbung als Mittel zur Information der Verbraucher kann sinnvoll sein; allein es kommt auf die Wahl der Mittel an. Im abgebildeten Beispiel scheint jedoch die Volksverdummung im Vordergrund zu stehen. Entschuldigend ist anzuführen, dass die Werbestrategen offenbar mehr dem Zeitgeist folgen als ihn aktiv zu prägen. Das Studentendasein scheint heutzutage mehr auf den Erwerb wirtschaftlich verwertbaren Wissens ausgerichtet zu sein als auf das Ausprobieren alternativer Lebensentwürfe.

War früher doch alles besser?

Anmerkung: Das Gewinnstreben an sich sollte nicht verteufeln werden, schließlich kann es durch die Schaffung von Innovationen und den Anreiz zur Steigerung der Produktivität zum wirtschaftlichen Fortschritt beitragen. Dennoch sollte es eben auf solche Zwecke beschränkt bleiben. So können Produktinnovationen das Leben angenehmer machen, wenn man von etwaigen zusätzliche finanziell bedingten Abhängigkeiten absieht; so kann der Produktivitätsfortschritt zur Befreiung der Menschen von der Arbeit führen, sofern die eine gerechte Verteilung von Einkommen und Arbeitszeit sichergestellt ist. Alle anderen gesellschaftlich relevanten Bereiche, insbesondere diejenigen, die zur öffentlichen Daseinvorsorge beitragen, sollten vom ausschließlichen Gewinnstreben verschont werden.

Es gilt vor allem: Weit mehr als Innovationen von Produkten können Innovationen gesellschaftlicher Strukturen zur Wohlfahrtsmaximierung beitragen.

Missbrauch politischer Symbole

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Gedanken zum Februar 2014

Durch fehlgeleitete Sexualität motivierter Missbrauch

Die Natur hat offenbar alle möglichen Formen des sexuellen Orientierung hervorgebracht: Homosexualität, Pädophilie, Heterosexualität, usw. usf. Die sexuelle Orientierung scheint gegeben und nicht frei wählbar zu sein. Wählbar hingegen ist der Umgang mit ihr. Die aktuelle Diskussion über die sexuelle Orientierung eines ehemaligen Abgeordneten, der pädophil zu sein scheint, ist daher nahezu hysterisch. Der übergroße Anteil Homosexueller oder Heterosexueller kennt die Grenzen an, wenn sie abgewiesen werden. Schließlich ist der durch fehlgeleitete Sexualität motivierte Missbrauch äußerst selten, wenn auch häufig genug. Die Eigenart der Pädophilie ist, dass die Objekte der Begierde manipuliert werden können oder selber keine Grenzen setzen können. Die Grenzen sind hier allein die Moral und das Gesetz. Doch warum sollen diese Grenzen nicht ausreichen. Ein Argument dagegen könnte sein, dass Pädophile grundsätzlich von den Möglichkeiten sexueller Erfüllung ausgeschlossen sind. Doch auch hier gibt es Ersatz: Sublimierung oder Selbstbefriedigung. Schließlich findet auch nicht jeder hetero- oder homosexuelle Mensch einen Sexualpartner. Selbst Tiere, die keinen Sexualpartner finden, werden nicht gleich zu Bestien, obwohl ihnen die Möglichkeit zu masturbieren fehlt. Darüber hinaus sind beispielsweise Nonnen und Mönche deshalb nicht notwendigerweise unglückliche Menschen. Im Gegenteil: Sie sind frei: Frei vom Stress, einen Sexualpartner finden zu müssen.

Die Diskussion um Fotos nackter Kinder ist absurd, wenn es um die Frage geht, ob dadurch jemand sexuell stimuliert werden könnte. Wenn das das Kriterium ist, können wir alle in einer Burka herumlaufen - auch die Männer, schließlich könnten sich ja auch Frauen von Ausbeulungen im Schritt oder von einem Waschbrettbauch stimuliert fühlen. Und wer will gar ausschließen, dass es jemanden auf der Welt gibt, der sich durch eine Burka erregen lässt? Letztlich muss es alle möglichen Formen der Erregung geben, um das Überleben der Menschheit zu sichern. Nur die Erregung über die Erregung scheint ein bisschen übertrieben zu sein.

Tragisch ist auch der Umgang mit Sexualstraftätern, die ihre Haft abgesessen haben, da ihnen - anderes als bei allen anderen Straftätern - die Möglichkeit eines Neuanfangs aufgrund zunehmender sozialer Ausgrenzung verwehrt wird. Die Rechtssprechung hat sinnvollerweise den Grundsatz, dass selbst Mördern ein zweites Leben zugebilligt werden soll. Ich bin überzeugt, dass Menschen, die gesellschaftlich integriert werden, erheblich besser kontrolliert werden können, als wenn sie ausgegrenzt und geächtet sind. Die Wiederholungsgefahr von Sexualstraftaten kann m. E. 1. durch gesellschaftliche Integration der Täter, 2. durch angemessene Beaufsichtigung von Kindern, 3. durch angemessene Belehrung von Kindern und 4. durch ärztliche Kontrolle bei krankhaften Störungen verringert werden. So wie Mord und Totschlag nie ganz abgeschafft werden kann, so gilt dies auch bei Sexualstraftaten. Wollte man diese Verbrechen vollständig abschaffen, so müsste die Menschheit ausgelöscht werden - was wiederum das größte aller Verbrechen wäre. Die pauschale Sicherheitsverwahrung ist ein Schande, weil sie nur mit Wahrscheinlichkeiten arbeitet. Eine Wahrscheinlichkeit kann man nur für Gruppen vieler Menschen treffen. Die Aussage über ein einzelnes Individuum ist unmöglich, man wird Wiederholungstäter oder nicht, aber niemals zu einem bestimmten Prozentsatz.

Exkurs: Die Empörung über Gruppenvergewaltigungen in Indien vor einigen Monaten halte ich für scheinheilig. Dort kamen die Täter aus der Unterschicht, das Opfer hingegen aus der Mittelschicht. Tragischerweise gibt es auf der ganzen Welt immer auch schweren sexuellen Missbrauch, ihn aber nur in einer bestimmten Region als Form besonderer Frauenfeindlichkeit und Grausamkeit anzuprangern, wird den Opfern in anderen Ländern nicht gerecht. Das größtmögliche Leid von Menschen zu relativieren und zu vergleichen, ist eine weitere Verhöhnung der Opfer. (Das gilt im Übrigen gleichermaßen für die 60 Millionen Toten des Zweiten Weltkriegs.) Und: Was wäre, wenn die Täter nicht aus der Unterschicht, sondern aus der Mittelschicht stammten? Wie wäre es, wenn das Opfer nicht aus der Mittelschicht, sondern aus der Unterschicht stammte? Wäre die Empörung die gleiche? Hätte dies noch immer einen Nachrichtenwert? Ich glaube kaum.

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Gedanken zum Januar 2014

Das Kapitalistische Manifest als Kunstwerk

Das Kapitalistische Manifest als Kunstwerk

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